SEO
Defekte Links und die Seite, die es nicht gibt
Links sind das Bindegewebe einer Website.
4 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Worum es geht
Links sind das Bindegewebe einer Website. Drei Dinge können daran kaputt sein, und sie sind nicht dasselbe:
Ein Link zeigt auf eine Adresse, die es nicht mehr gibt. Ein Link hat einen Text, aus dem niemand ablesen kann, wohin er führt. Oder die Website reagiert falsch, wenn jemand eine Adresse aufruft, die nie existiert hat.
Warum das zählt
Zwischen internen und externen defekten Links liegt ein Unterschied, den viele Berichte einebnen — zu Unrecht.
Ein interner 404 ist die eigene Navigation, die ins Leere führt. Der Besucher wollte auf eine Seite, die es auf deiner Website gibt oder gab, und landet im Nichts. Das ist dringend. Nebenbei kostet es Crawl-Budget: Crawler laufen wiederholt gegen Adressen, die nichts zurückgeben.
Ein externer 404 ist Linkfäule in der Website von jemand anderem. In älteren Artikeln ist das normal — Websites verschwinden, Adressen ändern sich. Es gehört korrigiert, aber es ist Redaktionsarbeit, kein Alarm. Beides mit derselben Dringlichkeit zu melden, begräbt den dringenden Fall unter den harmlosen.
Der Linktext ist die zweite Ebene. Screenreader-Nutzer navigieren, indem sie sich alle Links einer Seite als Liste ausgeben lassen. In dieser Liste steht dann fünfzehnmal „Weiterlesen" untereinander. Der Zweck eines Links muss aus dem Linktext hervorgehen — allein oder aus dem programmatisch ermittelbaren Kontext (WCAG 2.4.4, Level A). Reine Icon-Links ohne Beschriftung sind derselbe Fall.
Die dritte Ebene sieht man von innen nie: Was passiert, wenn jemand eine Adresse aufruft, die es nicht geben kann? Die richtige Antwort ist ein 404-Statuscode. Zwei falsche Antworten sind verbreitet. Die eine: Der Server liefert eine hübsche Fehlerseite, aber mit Statuscode 200 — dann sagt er jedem Crawler, die erfundene Adresse sei eine echte Seite. Die andere: Die Website leitet auf die Startseite um. Der Besucher erfährt nicht, dass sein Link falsch war, und der Crawler bekommt für jede erfundene Adresse eine gültige Antwort.
Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Suchmaschinen indexieren eine unbegrenzte Zahl erfundener Adressen, die alle denselben Inhalt zeigen. Die Website konkurriert mit sich selbst. Von innen sieht dabei nichts falsch aus, weil jede echte Seite funktioniert und das Menü in Ordnung ist.
Wie du das selbst prüfst
Für die 404-Seite brauchst du nichts weiter als die Adresszeile. Rufe deinedomain.de/gibtesnicht-12345 auf. Zwei Fragen: Bekommst du eine erkennbare Fehlerseite, oder landest du auf der Startseite? Und liefert der Server wirklich einen 404? Das siehst du in den Entwicklertools (F12, Reiter „Netzwerk", Seite neu laden) in der ersten Zeile.
Für defekte Links: In der Google Search Console findest du unter „Seiten" die Kategorie „Nicht gefunden (404)" mit den Adressen, über die Google gestolpert ist. Das deckt die internen Fälle gut ab.
Für die Linktexte gibt es einen Test ohne Werkzeug: Überflieg eine Seite und lies nur die Linktexte. Wenn du bei „hier", „mehr", „Details" landest, ohne zu wissen, wohin sie führen, weiß es ein Screenreader-Nutzer auch nicht.
Ein Hinweis zur Einordnung: Nicht jeder Fehlercode bedeutet einen defekten Link. Facebook antwortet auf automatisierte Anfragen mit 400, viele Cloudflare-Seiten mit 403, LinkedIn hat sich 999 ausgedacht. Diese Seiten öffnen für einen normalen Besucher völlig normal. Nur 404 und 410 heißen wirklich „gibt es nicht".
Was zu tun ist, wenn es fehlt
Interne 404 zuerst. Jede Adresse bekommt entweder eine 301-Weiterleitung auf das thematisch nächstliegende Ziel oder der Link im Inhalt wird korrigiert. In WordPress erzeugt das Plugin Redirection automatisch eine 301, wenn sich ein Beitrags-Slug ändert — das ist der größte stille Gewinn bei jeder Überarbeitung.
Externe defekte Links: Text aktualisieren, Link entfernen oder auf eine funktionierende Alternative setzen. Das ist Pflege, kein Projekt.
Bei den Linktexten: „Weiterlesen" durch den Namen des Ziels ersetzen. Statt „Mehr erfahren" also „Mehr über die Website-Wartung". Wo aus gestalterischen Gründen ein kurzer Button stehen soll, hilft ein aria-label mit dem vollständigen Ziel.
Und die Fehlerseite: Sie muss einen echten 404 liefern und dem Besucher weiterhelfen — Suchfeld, Link zur Startseite, Hinweis auf die wichtigsten Bereiche. Was sie nicht tun darf, ist stillschweigend umzuleiten.
Quellen
- Defekte interne Links verschwenden Crawl-Budget und gehören aktualisiert oder entfernt; kaputte Weiterleitungen auf 404-Ziele korrigieren -- @ctx:atlas-seo-technical-audit@1
- Defekte interne Links sofort beheben, weil sie Crawl-Budget kosten; immer auf kanonische Zieladressen verlinken -- @ctx:atlas-seo-site-architecture@1
- Linkzweck muss aus dem Linktext allein oder aus dem programmatisch ermittelbaren Kontext hervorgehen (WCAG 2.4.4, Level A); Screenreader-Nutzer navigieren über Linklisten; „click here", „read more", „learn more" sind ohne Kontext bedeutungslos; Icon-Links ohne aria-label sind derselbe Fall -- @ctx:atlas-accessibility-criteria-2-4-4-link-purpose-in-context@1
- 404 als Standard bei unklarer Lage, 410 für endgültig entfernt, 301 für Verlagerung; Weiterleitung auf das thematisch nächstliegende Ziel statt pauschal auf die Startseite, weil Letzteres als Soft-404 behandelt wird; Redirection-Plugin erzeugt 301 bei Slug-Änderung -- @ctx:atlas-seo-practice-2026@3
- 404-Fehler monatlich prüfen und Crawl-Fehler in der Search Console beheben -- @ctx:projects-websites-dhs-cpt-checklisten-technisches-seo-content@2