Relaunch
Was vor dem Livegang abgeschaltet gehört
Die neue Seite ist fertig.
5 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Die neue Seite ist fertig. Die Weiterleitungen stehen, die Inhalte sind übertragen, alles ist geprüft. Bleibt noch, umzuschalten.
Genau an diesem Punkt hört jede technische Anleitung auf. Und genau hier liegt eine Handvoll Dinge, die nichts mit der Website zu tun haben, die aber Geld kosten, wenn sie ausbleiben.
Sie fallen deshalb regelmäßig aus. Nicht aus Nachlässigkeit — sondern weil sie in keine der Kategorien passen, in denen ein Umbau sonst gedacht wird.
Während der Umstellung ist die Seite kurz weg
Das ist der Ausgangspunkt für alles, was folgt.
Wie lange, hängt davon ab, was umgestellt wird. Bleibt alles beim selben Anbieter, sind es Minuten. Wechselt zusätzlich der Server oder die Domain, können es Stunden sein, bis die Umstellung überall angekommen ist.
In dieser Zeit ist die Seite entweder nicht erreichbar oder liefert einen unfertigen Zustand aus. Das ist normal und kein Problem — solange in dieser Zeit niemand darauf geschickt wird.
Werbeanzeigen pausieren, nicht beenden
Wenn du Anzeigen schaltest, zahlst du für Klicks. Während der Umstellung landen diese Klicks im Nichts.
Also abschalten. Aber: pausieren, nicht beenden.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Anzeigensysteme lernen über Zeit, welche Anzeige bei welchen Leuten funktioniert. Dieses Gelernte hängt an der laufenden Kampagne. Wer beendet und danach neu anlegt, fängt bei null an — die Kampagne muss ihre Erfahrung wieder aufbauen, und in dieser Phase zahlt man mehr für schlechtere Ergebnisse.
Pausieren behält das Gelernte. Es ist derselbe Klick und ein völlig anderes Ergebnis.
Automatische Mails anhalten
Newsletter, Erinnerungen, Willkommensstrecken — alles, was zeitgesteuert rausgeht.
Wenn während der Umstellung eine Mail rausgeht, klicken die Empfänger auf einen Link, der ins Leere führt. Der Schaden ist nicht der eine verlorene Besuch. Der Schaden ist, dass ein Teil dieser Leute sich abmeldet, weil sie den Eindruck bekommen, hier funktioniere etwas nicht.
Eine Abmeldung ist dauerhaft. Ein verpasster Versand ist es nicht.
Die Freigabe des Kunden
Klingt nach Formalität und ist keine.
Wer die Website nicht selbst gebaut hat, weiß oft nicht, dass am Tag der Umstellung etwas passiert. Und er hat unter Umständen Dinge zu erledigen, von denen der Umbauende nichts weiß — eine Aktion, die an diesem Tag startet, ein Termin, an dem er die Seite jemandem zeigen will, eine Messe.
Deshalb: einen Termin vereinbaren, statt ihn anzukündigen. Und dazusagen, dass die Seite kurz nicht erreichbar sein wird.
Der Punkt, an den fast niemand denkt: die E-Mails des Kunden
Das ist der teuerste Punkt der Liste, und er hat mit der Website nichts zu tun.
Wenn nicht nur die Website umzieht, sondern auch die Domain zu einem anderen Anbieter wandert, dann ziehen die E-Mail-Postfächer mit. Sie hängen an derselben Domain.
Für den Kunden heißt das: Sein Mailprogramm auf dem Rechner, sein Handy, das Tablet im Besprechungsraum, das Programm der Kollegin — alle greifen ab dem Umschaltzeitpunkt auf einen Server zu, der nicht mehr zuständig ist.
Das merkt niemand sofort, weil ein Mailprogramm eine Weile weiterläuft und die letzten geladenen Nachrichten anzeigt. Es fällt erst auf, wenn den ganzen Vormittag nichts Neues kommt — und in diesem Moment steht die Frage im Raum, ob durch den Umbau Post verlorengegangen ist.
Das gehört vorher besprochen, nicht nachher erklärt. Wer wird betroffen sein, wer richtet die Geräte neu ein, und wann.
Wenn der Umzug ohne Anbieterwechsel läuft, entfällt dieser Punkt vollständig. Umso wichtiger ist es, vorher zu klären, welcher der beiden Fälle vorliegt — die Antwort ist von außen nicht sichtbar.
Und danach: wieder anschalten
Der Teil, der bei Checklisten gern abfällt, weil die Liste beim Umschalten endet.
Anzeigen wieder aktivieren. Mailstrecken wieder freigeben. Und vorher jeweils kurz prüfen, ob die Ziele noch stimmen — eine Anzeige, die auf eine Adresse zeigt, die es nach dem Umbau nicht mehr gibt, ist schlimmer als eine pausierte.
Denn diese Adressen laufen über deine Weiterleitungen. Das funktioniert, kostet aber einen zusätzlichen Sprung bei jedem bezahlten Klick. Die Ziele direkt zu korrigieren ist eine Viertelstunde Arbeit und der sauberere Zustand.
Die Liste für den Tag
Vorher vereinbart: Termin mit dem Kunden, Ausfallzeit angekündigt, geklärt ob Postfächer betroffen sind, geklärt wer sie neu einrichtet.
Kurz vorher abgeschaltet: Werbeanzeigen pausiert. Automatische Mails angehalten. Wenn möglich: einen Termin gewählt, an dem wenig los ist — nicht Montagvormittag.
Danach wieder an: Anzeigen aktiviert, Ziele geprüft. Mailstrecken freigegeben, Links geprüft. Und beim Kunden nachgefragt, ob die Post wieder ankommt.
Warum das hier steht
Dieser Artikel enthält nichts Technisches. Es gibt keinen Antwortcode, keine Datei, keine Einstellung.
Trotzdem ist es der Teil eines Umbaus, bei dem am ehesten echtes Geld liegen bleibt — verbranntes Anzeigenbudget, verlorene Empfänger, ein halber Tag ohne Posteingang bei jemandem, der davon nichts wusste.
Es ist keine Frage von Können. Es ist eine Frage davon, ob jemand daran gedacht hat.
Quellen
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 4, Checkliste zur Liveschaltung — dass Werbeanzeigen zum Zeitpunkt der Umstellung pausiert und ausdrücklich nicht beendet oder gelöscht werden, weil ein Beenden die Optimierung des Systems zurücksetzt, und dass es während der Umstellung zu einer kurzen Ausfallzeit kommt, in der man nicht für Klicks bezahlen will, die ins Leere laufen; dass automatisierte E-Mail-Strecken für diese Zeit angehalten werden, damit Empfänger nicht auf einer nicht erreichbaren Seite landen und sich in der Folge abmelden; dass die Freigabe des Kunden zum Umschalten eingeholt werden muss und der Kunde über die Ausfallzeit informiert gehört; und dass der Kunde unter Umständen im Anschluss seine E-Mail-Einrichtung anpassen muss, weil bei einem Umzug mit Anbieterwechsel auch die Postfächer betroffen sind.
- Eigene Praxis — die Begründung, warum ein Beenden der Kampagne teurer ist als eine Pause; die Beobachtung, dass ein nicht mehr erreichbarer Mailserver zunächst unbemerkt bleibt, weil das Mailprogramm die zuletzt geladenen Nachrichten weiter anzeigt; der Hinweis, vorher zu klären, ob überhaupt ein Anbieterwechsel stattfindet; die Wahl eines verkehrsschwachen Zeitpunkts; und das Prüfen der Anzeigenziele beim Wiedereinschalten, damit bezahlte Klicks nicht über eine Weiterleitung laufen.