Relaunch
Die Weiterleitung, die funktioniert und trotzdem falsch ist
Es gibt eine Sorte Fehler, die schwerer zu finden ist als alle anderen: die, bei der nichts kaputt aussieht.
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Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Es gibt eine Sorte Fehler, die schwerer zu finden ist als alle anderen: die, bei der nichts kaputt aussieht.
Du klickst im Menü auf einen Punkt. Die richtige Seite erscheint. Alles gut.
Nur ist der Browser dabei zweimal losgelaufen. Er hat erst eine Adresse angefragt, die Antwort „die gibt es hier nicht mehr, geh dorthin" bekommen, und ist dann noch einmal losgelaufen. Beim zweiten Versuch hat es geklappt.
Das Ergebnis stimmt. Der Weg dorthin nicht.
Wie das entsteht
Fast immer bei einem Umbau, und fast immer aus derselben Ursache: Die Adressen haben sich geändert, die Links im Inhalt nicht.
Ein Menüpunkt zeigt noch auf die Adresse von früher. Ein Verweis mitten in einem Text zeigt auf einen Beitrag, der inzwischen woanders liegt. Eine Kachel auf der Startseite zeigt in ein Verzeichnis, das umbenannt wurde.
Weil die Weiterleitungen eingerichtet sind — und das ist ja richtig so —, kommt der Besucher trotzdem an. Deshalb fällt es niemandem auf. Es ist kein Fehler, den man sieht. Es ist einer, den man messen muss.
Es gibt auch die zweite Bauform: eine Weiterleitung, die auf eine Adresse zeigt, die selbst weitergeleitet wird. Zwei Sprünge, manchmal drei. Das entsteht, wenn eine Seite zum zweiten Mal umgebaut wird und niemand die alten Weiterleitungen eingesammelt hat, bevor die neuen dazukamen.
Warum das zählt, wenn es doch funktioniert
Vier Gründe, vom kleinsten zum größten.
Es kostet Zeit. Jeder Sprung ist eine vollständige Anfrage — hinschicken, warten, Antwort bekommen. Am Schreibtisch merkt man das kaum. Am Handy in einem schlechten Netz ist eine zusätzliche Runde spürbar, und zwar bei jedem einzelnen Klick, der über einen alten Link läuft.
Es kostet Weiterleitungen. Jede eingerichtete Weiterleitung ist eine Zeile, die dauerhaft gepflegt werden muss. Wenn die Hälfte davon nur existiert, weil die eigene Seite auf sich selbst falsch verlinkt, pflegst du eine Liste, die es nicht bräuchte.
Es macht spätere Umbauten teurer. Beim nächsten Mal steht jemand vor einer Liste aus Weiterleitungen und kann nicht mehr unterscheiden, welche für echte alte Adressen aus der Welt da draußen gebraucht werden und welche nur den eigenen Schlendrian abfangen. Also bleiben alle stehen. Und die Kette wird länger.
Es ist ein Zeichen. Wenn die eigene Seite auf Adressen zeigt, die es nicht mehr gibt, dann wurde der Umbau nicht zu Ende geführt. Und was hier nicht geprüft wurde, wurde anderswo wahrscheinlich auch nicht geprüft.
Der Unterschied zur echten Weiterleitung
Eine Weiterleitung ist nicht per se schlecht — sie ist das richtige Werkzeug für einen bestimmten Zweck.
Für Adressen, die du nicht kontrollierst, ist sie unverzichtbar. Ein Link aus einer Suchmaschine, ein Lesezeichen, ein Verweis von einer fremden Seite, eine Adresse in einer alten Rechnung — an all das kommst du nicht heran. Für diese Fälle ist die Weiterleitung genau richtig und bleibt dauerhaft.
Für Adressen auf der eigenen Seite ist sie ein Notnagel. Diese Links kannst du ändern. Sie sollen direkt zeigen.
Die Regel dahinter ist in einem Satz zu sagen: Eine Weiterleitung fängt ab, was du nicht ändern kannst. Was du ändern kannst, änderst du.
Wie du es findest
Von Hand geht es nicht. Der Fehler ist ja unsichtbar — du klickst und kommst an.
Es braucht ein Werkzeug, das die ganze Website durchläuft und zu jeder gefundenen Adresse aufschreibt, was der Server antwortet. Danach sortierst du nach der Antwort.
Was du sehen willst: überall dieselbe Antwort, alles in Ordnung.
Was du findest, wenn es das Problem gibt: eine Handvoll Zeilen mit „dauerhaft weitergeleitet". Und das gute Werkzeug sagt dir dazu, auf welchen Seiten der Link steht, der dorthin zeigt.
Das ist der eigentlich nützliche Teil. Du bekommst nicht nur die kaputte Adresse, sondern die Fundstelle. Damit ist das Beheben stumpfe Arbeit: Seite öffnen, Link korrigieren, weiter.
Und wo die Links stecken
Die offensichtlichen Stellen sind schnell erledigt. Die unauffälligen sind die, die übrig bleiben:
Das Menü — meistens schon richtig, weil es beim Umbau ohnehin angefasst wird.
Links mitten in Texten — die häufigste Fundstelle, weil niemand alte Beiträge durchsieht.
Kacheln, Knöpfe und Verweise in Bausteinen — sie liegen oft nicht im Text, sondern in Einstellungen, und werden beim Durchlesen übersehen.
Die Fußzeile — steht auf jeder Seite, wird deshalb nie einzeln geprüft.
Bilder und Dateien — auch ein Bildpfad kann weitergeleitet werden. Das fällt noch seltener auf, weil das Bild ja erscheint.
Weiterleitungen, die auf Weiterleitungen zeigen — nicht im Inhalt, sondern in deiner Weiterleitungsliste selbst. Die findest du nur, wenn du diese Liste einmal gegen sich selbst prüfst.
Wann du das machst
Zweimal.
Vor dem Umschalten, auf der Baustelle. Dann sind die meisten Fälle schon weg, bevor sie jemanden betreffen.
Nach dem Umschalten, auf der fertigen Seite. Denn beim Umzug entstehen neue: Adressen, die auf der Baustelle noch anders hießen, Verweise, die die Übertragung nicht angepasst hat.
Und danach einmal im Jahr. Nicht wegen des Umbaus — sondern weil im laufenden Betrieb Seiten umbenannt und verschoben werden, und jedes Mal bleibt irgendwo ein Link stehen.
Der unspektakuläre Kern
Dieser Fehler ist deshalb interessant, weil er das Gegenteil von dem ist, was man erwartet. Er tut nicht weh, er zeigt sich nicht, und niemand beschwert sich.
Er sagt trotzdem etwas aus: Eine Website, deren Links auf ihre eigenen alten Adressen zeigen, wurde umgebaut und nicht nachgemessen.
Die Messung dauert eine halbe Stunde. Das Beheben dauert je nach Größe einen halben Tag. Und danach ist eine Sache erledigt, die sonst bei jedem weiteren Umbau ein Stück teurer wird.
Quellen
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 4 — die Beobachtung beim Durchlauf der fertigen Seite, dass neben mehreren nicht gefundenen Adressen auch eine Weiterleitung auftauchte; dass die Ursache ein interner Verweis auf der Startseite war, der noch auf ein Verzeichnis zeigte, das es so nicht mehr gab; dass die Weiterleitung zwar griff, aber ausdrücklich als unnötig bezeichnet und behoben wurde; und dass sich die Fundstelle über die Auflistung der eingehenden Verweise im Crawl-Werkzeug ermitteln lässt.
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 3b — dass fehlerhafte Verlinkungen und interne Weiterleitungen ein eigener Prüfschritt auf der Entwicklungsumgebung sind, also vor dem Umschalten.
- Sitebulb-Webinar Website Migrations & Redirect Mapping Dos & Don'ts, November 2024 — dass bestehende Weiterleitungen vor dem Anlegen neuer eingesammelt werden müssen, weil sonst Ketten entstehen, bei denen eine alte Adresse über eine mittlere auf die neue zeigt.
- Eigene Praxis — die Unterscheidung zwischen Weiterleitungen für Adressen, die man nicht kontrolliert, und solchen für die eigene Seite; die Aufzählung der Fundstellen, an denen alte Links typischerweise übrig bleiben, insbesondere Verweise in Bausteineinstellungen, die Fußzeile und Bildpfade; die Empfehlung, vor und nach dem Umschalten zu messen und danach jährlich; und die Beobachtung, dass eine unüberschaubare Weiterleitungsliste jeden weiteren Umbau verteuert, weil sich nicht mehr unterscheiden lässt, welche Einträge noch gebraucht werden.