Relaunch
Was beim Umzug verloren geht, ohne dass es jemand merkt
Die Seite ist umgezogen.
9 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Die Seite ist umgezogen. Du rufst sie auf, und sie sieht richtig aus. Startseite da, Bilder da, Menü da, Footer da.
Genau das ist das Problem.
Ein Umzug scheitert selten sichtbar. Er scheitert an fünf oder sechs Dingen, die keine Fehlermeldung erzeugen und die niemand vermisst, bis Wochen später jemand fragt, warum ein alter Link ins Leere führt oder warum ein Plugin keine Updates mehr bekommt.
Dieser Artikel listet diese Dinge auf. Nicht als Schreckensliste, sondern als Prüfliste für den Tag danach.
Warum das überhaupt passiert
Die meisten Umzüge laufen heute über ein Werkzeug, das die Website in ein einziges Archiv packt und dieses Archiv am Ziel wieder auspackt. Das funktioniert gut, und es nimmt dir eine Menge Handarbeit ab — vor allem passt es die Adressen in der Datenbank automatisch an, auch die, die tief in verschachtelten Einstellungen stecken. Von Hand ist genau das die fehleranfälligste Stelle des ganzen Vorgangs.
Aber so ein Archiv enthält nicht die ganze Installation. Es enthält im Kern deine Inhalte-Verzeichnisse und die Datenbank. Ausdrücklich nicht enthalten sind der WordPress-Kern selbst, die zentrale Konfigurationsdatei und die Steuerdatei des Webservers.
Das ist kein Versehen, sondern richtig so: Diese drei gehören zur Umgebung, nicht zur Website. Am Ziel steht schon ein WordPress, das seine eigene Konfiguration hat.
Nur zieht daraus fast niemand die Schlussfolgerung. Und die lautet: Alles, was du auf der Baustelle in diese Dateien geschrieben hast, ist am Ziel nicht da.
Die Steuerdatei des Webservers reist nicht mit
Das ist der teuerste Punkt der Liste, weil an ihm die Weiterleitungen hängen.
Wenn du deine alten Adressen auf die neuen weiterleitest, und du hast diese Weiterleitungen direkt in die Steuerdatei geschrieben, dann sind sie nach dem Umzug weg. Die Datei am Ziel ist eine neue, leere. WordPress legt sich dort seine eigenen Grundregeln an, sonst nichts.
Das Tückische daran: Die Website funktioniert trotzdem einwandfrei. Wer die neue Adresse aufruft, merkt nichts. Nur wer über einen alten Link kommt — aus einer Suchmaschine, aus einem Lesezeichen, von einer fremden Seite — landet im Nichts. Und das ist genau der Besucher, den du beim Umzug schützen wolltest.
Dasselbe gilt für den Passwortschutz, mit dem du die Baustelle vor fremden Blicken abgeschirmt hast. Der ist danach auch weg. In dieser Richtung ist das praktisch — man muss ihn nicht mehr entfernen. Aber wissen sollte man es.
Deshalb musst du die Adressstruktur einmal neu speichern
Das hängt direkt zusammen und wird oft als eigener Aberglaube weitergegeben: „Nach dem Umzug einmal die Permalinks speichern."
Der Grund dahinter ist keine Magie. WordPress schreibt seine Regeln zur Adressbildung in genau die Steuerdatei, die eben neu angelegt wurde. Sie enthält also nur, was WordPress bei der Installation hineingeschrieben hat — nicht das, was deine tatsächliche Adressstruktur braucht.
Ein einziges Speichern in den Einstellungen schreibt die Regeln neu. Ohne das liefern Unterseiten Fehlermeldungen, während die Startseite tadellos aussieht.
Die Konfigurationsdatei reist auch nicht mit
Sie fällt weniger auf, weil selten jemand etwas Sichtbares hineinschreibt. Aber wenn doch, ist es meistens wichtig:
Fehlerprotokollierung, die du für die Entwicklung eingeschaltet hattest — weg. Und andersherum: Sicherheitseinstellungen, die du dort vorgenommen hast, etwa das Sperren des eingebauten Dateieditors, sind am Ziel nicht aktiv.
Der zweite Fall ist der gefährlichere, weil er nach Sicherheit aussieht und keine ist.
Du meldest dich mit den Zugangsdaten der Baustelle an
Der Moment, in dem die meisten kurz erschrecken.
Am Ziel stand vor dem Import ein frisches WordPress mit einem frisch angelegten Konto. Nach dem Import ist dieses Konto weg — denn die Benutzertabelle kam aus dem Archiv mit. Gültig sind ab sofort die Zugangsdaten von der Entwicklungsumgebung.
Das ist logisch, sobald man es weiß, und ein unangenehmer Moment, wenn man es nicht weiß. Besonders dann, wenn die Baustelle mit einem Wegwerf-Passwort lief, das niemand notiert hat.
Vor dem Import prüfen, ob du die Zugangsdaten der Baustelle noch hast. Nicht danach.
Was außerhalb der Inhalte-Verzeichnisse liegt, bleibt liegen
Alles, was du direkt ins Hauptverzeichnis des Servers gelegt hast, ist im Archiv nicht enthalten.
Der häufigste Fall ist eine eigene Fehlerseite als statische Datei — etwa die Seite, die Besuchern gezeigt wird, wenn ein Inhalt bewusst gelöscht wurde. Wenn du so eine Seite gebaut hast, liegt sie noch auf dem alten Server. Und die Fassung, die du gebaut hast, verweist intern noch auf die Adressen der Baustelle.
Sie muss also nicht nur erneut hochgeladen, sondern vorher neu erzeugt werden.
Dasselbe gilt für Nachweisdateien, die manche Dienste im Hauptverzeichnis erwarten, und für alles andere, was du dort abgelegt hast.
Lizenzen zeigen noch auf die Baustelle
Kostenpflichtige Erweiterungen binden ihre Lizenz meistens an eine Adresse. Aktiviert wurden sie auf der Entwicklungsumgebung — also auf einer Adresse, die es gleich nicht mehr gibt.
Nach dem Umzug läuft alles weiter, denn die Erweiterung ist ja installiert. Was nicht mehr läuft, sind die Aktualisierungen. Und das merkt man nicht am nächsten Tag, sondern in dem Monat, in dem eine Sicherheitslücke bekannt wird und das Update nicht kommt.
Jede kostenpflichtige Erweiterung nach dem Umzug einmal öffnen und die Lizenz auf die neue Adresse setzen. Das ist stumpfe Arbeit und dauert zehn Minuten.
Manche Baukästen müssen ihre Zwischenspeicher neu erzeugen
Wenn deine Seite mit einem Baukasten gebaut ist, der aus seinen Einstellungen fertige Ausgabedateien erzeugt, dann zeigen diese Dateien nach dem Umzug unter Umständen noch auf die alten Pfade.
Das Ergebnis sieht kaputt aus, ohne kaputt zu sein: Die Seite lädt, aber Abstände sitzen falsch oder ein Bereich fehlt. Ein einmaliges Neuerzeugen in den Einstellungen des Baukastens repariert es.
Wichtig ist nur, das nicht mit einem echten Fehler zu verwechseln und anzufangen, an den Inhalten zu suchen.
Zwei Eigenschaften des Archivs, die man kennen sollte
Es hat keine Prüfsumme. Das Archivformat enthält keinen Mechanismus, der bemerkt, ob die Datei vollständig ist. Ein abgebrochener Download oder ein unterbrochener Upload erzeugt eine Datei, die auf den ersten Blick in Ordnung aussieht. Auffallen tut es erst, wenn einzelne Inhalte beim Auspacken nicht lesbar sind — also mitten im Import.
Es wird vollständig ausgepackt, bevor irgendetwas eingespielt wird. Der Zielserver braucht während des Imports freien Speicherplatz in der Größe der ausgepackten Website, zusätzlich zum Archiv selbst. Bei einer großen Seite auf einem knapp bemessenen Paket ist das der Punkt, an dem der Vorgang abbricht.
Beides ist kein Argument gegen dieses Vorgehen. Es ist ein Argument dafür, den Umzug nicht fünf Minuten vor Feierabend zu starten.
Die Prüfung, die alles davon findet
Es gibt eine einzige Kontrolle, die den größten Teil dieser Liste sichtbar macht: die neue Seite einmal vollständig durchlaufen lassen und die Antwortcodes ansehen.
Nicht klicken. Durchlaufen lassen, mit einem Werkzeug, das jede Adresse abruft und aufschreibt, was der Server antwortet.
Im Idealfall kommt überall dieselbe Antwort zurück: alles in Ordnung. Alles andere ist eine Fundstelle:
- Eine „nicht gefunden"-Antwort bedeutet, dass irgendwo auf deiner eigenen Seite noch ein Link auf eine Adresse zeigt, die es nicht mehr gibt.
- Eine Weiterleitung innerhalb der eigenen Seite bedeutet, dass ein interner Link noch auf die alte Adresse zeigt und erst über einen Umweg ankommt. Das funktioniert — und ist trotzdem falsch. Interne Links sollen direkt zeigen.
Diesen Durchlauf machst du zweimal: einmal auf der Baustelle, bevor umgeschaltet wird, und einmal auf der fertigen Seite danach. Der zweite Durchlauf findet genau die Dinge, die der Umzug kaputt gemacht hat.
Und dann noch eine dritte Prüfung, die anders funktioniert: die Liste deiner alten Adressen abrufen. Nicht die neuen — die alten. Dabei dürfen genau drei Antworten kommen: unverändert erreichbar, dauerhaft weitergeleitet, oder bewusst gelöscht. Kommt etwas anderes, fehlt eine Weiterleitung.
Diese dritte Prüfung setzt voraus, dass du eine Liste deiner alten Adressen hast. Wenn du sie nicht hast, ist das der eigentliche Befund — dazu gibt es einen eigenen Artikel.
Die Reihenfolge für den Tag danach
Zuerst: anmelden können. Zugangsdaten der Baustelle bereithalten, bevor der Import startet.
Dann: Adressstruktur einmal neu speichern. Ein Klick, und die Unterseiten funktionieren.
Dann: die Weiterleitungen wiederherstellen. Das ist der Punkt mit den echten Folgen für Besucher.
Dann: die Seite durchlaufen lassen und die gefundenen internen Links korrigieren.
Dann: die alten Adressen abrufen und fehlende Weiterleitungen nachtragen.
Dann: Lizenzen umstellen.
Dann: statische Dateien im Hauptverzeichnis neu erzeugen und hochladen.
Zuletzt: die Konfigurationsdatei durchsehen — war dort etwas eingetragen, das wieder hineingehört?
Was daran unspektakulär ist
Nichts an dieser Liste ist schwierig. Kein Punkt braucht Spezialwissen, und keiner dauert lange.
Sie fällt trotzdem regelmäßig aus, weil der Umzug in dem Moment als erledigt gilt, in dem die Startseite richtig aussieht. Das ist der Punkt, an dem die meisten aufhören — und an dem die Arbeit anfängt.
Wenn du einen Umzug hinter dir hast und nicht sicher bist, ob diese Punkte abgearbeitet wurden: Die Prüfung mit dem Durchlauf dauert eine Viertelstunde und beantwortet die Frage.
Quellen
- Atlas,
wordpress/plugins/all-in-one-wp-migration/mechanics.md— dass das Archiv die Inhalte-Verzeichnisse und eine einzelne Datenbankdatei bündelt; dass wp-config.php, die .htaccess im WordPress-Wurzelverzeichnis, der WordPress-Kern selbst und die Sicherheitsschlüssel ausdrücklich nicht gebündelt werden; dass die Quelladressen beim Import gegen die Zieladresse ersetzt werden und dabei auch serialisierte Strukturen sicher durchlaufen werden, was den Handbetrieb an dieser Stelle so fehleranfällig macht; dass das Archivformat keine Prüfsumme trägt und Abschneiden oder Beschädigung deshalb nicht auf Formatebene bemerkt wird, sondern erst dann, wenn einzelne Inhalte nicht lesbar sind; dass der Import vollständig auf die Festplatte auspackt, bevor die Datenbank eingespielt wird, und das Ziel deshalb freien Speicherplatz in Größe der ausgepackten Website braucht. - Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 4: Liveschaltung — die Beobachtung, dass die Weiterleitungen aus der Steuerdatei der Entwicklungsumgebung nach dem Umzug nicht mehr vorhanden sind, weil die Datei neu angelegt wird, und dass derselbe Vorgang auch den Passwortschutz der Baustelle entfernt; dass die Anmeldedaten nach dem Import die der Entwicklungsumgebung sind und nicht die der frisch aufgesetzten Zielinstallation; dass die Adressstruktur einmal neu gespeichert werden muss; dass kostenpflichtige Erweiterungen neu registriert werden müssen, weil ihre Lizenz noch auf die Entwicklungsumgebung zeigt, und andernfalls die Aktualisierungen ausbleiben; dass eine statische Fehlerseite im Hauptverzeichnis weiterhin auf die Entwicklungsumgebung verweist und neu erzeugt und hochgeladen werden muss; dass ein Baukasten seine erzeugten Ausgabedateien nach dem Umzug neu erstellen muss; sowie der Durchlauf der fertigen Seite mit Sortierung nach Antwortcode, bei dem eine Reihe von „nicht gefunden"-Antworten und eine überflüssige interne Weiterleitung auftauchten.
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 2 und Phase 4 — dass beim Abruf der alten Adressliste genau drei Antworten zulässig sind: unverändert erreichbar, dauerhaft weitergeleitet, oder als gelöscht gemeldet.
- Eigene Praxis — die Reihenfolge für den Tag danach, der Hinweis, die Zugangsdaten vor und nicht nach dem Import zu prüfen, und die Beobachtung, dass ein Umzug in dem Moment als erledigt gilt, in dem die Startseite richtig aussieht.
- Nicht belegt und deshalb offen — ob die Aussage zu wp-config.php und zur Steuerdatei für alle gängigen Umzugswerkzeuge gilt oder nur für das eine, für das sie hier nachgelesen wurde. Der Artikel formuliert sie deshalb als Eigenschaft dieses Vorgehens, nicht als allgemeine Regel.