Relaunch
Was mit den Seiten passiert, die du nicht mehr willst
Jede gewachsene Website schleppt Inhalte mit, die niemand mehr braucht.
7 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Jede gewachsene Website schleppt Inhalte mit, die niemand mehr braucht. Meldungen von 2017. Eine Aktion, die vor Jahren endete. Ein Bereich, den mal jemand angefangen und nie fertiggestellt hat.
Beim Umbau kommt der Moment, an dem entschieden wird, was davon mitkommt. Und dann passiert fast immer dasselbe: Die Seiten werden gelöscht, und damit gilt die Sache als erledigt.
Ist sie nicht. Löschen ist keine Antwort, sondern nur das Entfernen der Antwort. Die Adresse existiert weiter — in Suchergebnissen, in Lesezeichen, in fremden Verlinkungen, in einer Mail von vor drei Jahren. Wer sie aufruft, bekommt jetzt irgendetwas. Die Frage ist, was.
Es gibt vier Antworten, nicht eine
Weiterleiten. Es gibt einen Nachfolger, der dieselbe Frage beantwortet. Der Besucher landet dort.
Als gelöscht melden. Es gibt keinen Nachfolger, und das ist eine Entscheidung. Der Inhalt ist weg und kommt nicht wieder.
Behalten, aber aus der Suche nehmen. Der Inhalt bleibt für Besucher erreichbar, soll aber nicht mehr in Suchergebnissen auftauchen.
Nicht gefunden. Die Restkategorie. Sie ist die schwächste Antwort und sollte am seltensten vorkommen.
Die meisten Websites benutzen ausschließlich die vierte.
Weiterleiten — und der Fehler dabei
Wenn es einen inhaltlich passenden Nachfolger gibt, ist eine dauerhafte Weiterleitung die richtige Wahl. Der Besucher landet bei dem, was er gesucht hat, und der Wert, den die alte Adresse über Jahre aufgebaut hat, geht auf die neue über.
Der Fehler dabei ist das Wort inhaltlich.
Es ist verlockend, alles Alte auf die Startseite zu leiten. Damit entsteht kein Fehler, die Zahlen sehen sauber aus, und die Arbeit ist in fünf Minuten erledigt.
Für den Besucher ist es aber eine Sackgasse mit besseren Manieren. Er hat auf einen Link zu einem bestimmten Thema geklickt und steht jetzt vor deiner Begrüßung. Er weiß nicht, was passiert ist, und er findet nicht, wonach er gesucht hat.
Wenn es keinen passenden Nachfolger gibt, ist eine Weiterleitung die falsche Antwort. Dann kommt die zweite.
Als gelöscht melden — die Antwort, die kaum jemand benutzt
Es gibt einen eigenen Antwortcode für „diese Seite gab es, sie ist bewusst entfernt worden, sie kommt nicht wieder". Er ist nicht dasselbe wie „nicht gefunden".
Der Unterschied ist eine Aussage über die Zukunft. „Nicht gefunden" heißt: Hier ist gerade nichts, vielleicht war es ein Tippfehler, vielleicht kommt es wieder. „Gelöscht" heißt: Das war eine Entscheidung, hör auf zu suchen.
Für Suchmaschinen ist das ein deutliches Signal. Eine als gelöscht gemeldete Adresse verschwindet zügiger aus dem Index als eine, die einfach nicht gefunden wird.
Und für dich hat es einen praktischen Nebeneffekt: In der Auswertung nach dem Umbau kannst du unterscheiden zwischen dem, was du wegwerfen wolltest, und dem, was aus Versehen fehlt. Bei einer Seite voller „nicht gefunden" siehst du diesen Unterschied nicht.
Wichtig ist dabei der zweite Teil, der gern vergessen wird: Der Antwortcode ist für Maschinen. Der Mensch, der auf den Link geklickt hat, braucht trotzdem eine lesbare Seite, auf der steht, was passiert ist und wo er stattdessen hinkann.
Ganze Bereiche auf einmal
Wenn ein kompletter Abschnitt wegfällt — ein Nachrichtenarchiv, ein alter Blog, ein eingestellter Bereich — dann trägt man nicht jede einzelne Adresse ein.
Es reicht, das Verzeichnis zu benennen. Eine Regel statt zweihundert Zeilen, und alles darunter ist erledigt.
Das ist auch der Punkt, an dem die Entscheidung leichter fällt, als viele denken: Ein Archiv aus Meldungen, das seit Jahren kaum Besucher und keine eingehenden Verweise hat, macht die Seite größer und niemanden schlauer. Es zu behalten kostet Pflege und bringt nichts. Es wegzunehmen ist die einfachere Entscheidung, wenn man sie einmal bewusst trifft, statt sie zu vertagen.
Behalten, aber nicht in der Suche
Der Fall, den es auch gibt und der oft übersehen wird.
Manche Inhalte sollen für Besucher erreichbar bleiben, gehören aber nicht in Suchergebnisse. Ein Bereich mit Beiträgen von Nutzern. Ein Archiv, das intern gebraucht wird. Etwas, das jemand über einen direkten Link aufruft, aber nicht über eine Suche finden soll.
Das ist keine Löschung. Der Inhalt bleibt, er wird nur nicht mehr indexiert.
Der Unterschied ist wichtig, weil beide Fälle oft verwechselt werden. Was ein Besucher noch braucht, wird gelöscht. Und was niemand mehr braucht, bleibt drin, weil das Löschen zu endgültig wirkt.
Die Seite, auf der niemand landen will
Auch bei sorgfältiger Arbeit bleibt eine Restmenge. Tippfehler in Adressen, falsche Verlinkungen von fremden Seiten, alte Adressen, an die niemand gedacht hat.
Diese Besucher bekommen deine Fehlerseite zu sehen. Und die ist auf den meisten Websites das Schlechteste, was sie sein könnte: eine leere Fläche mit einer Zahl darauf.
Wer dort landet, ist weg. Er springt zurück zu den Suchergebnissen, und der nächste Treffer bekommt seinen Besuch.
Dabei ist der Aufwand für eine brauchbare Fehlerseite gering. Sie braucht:
Die normale Navigation. Damit der Besucher sieht, wo er ist, und weiterkommt.
Eine Suche. Der direkteste Weg zu dem, was er eigentlich wollte.
Einen Satz in normaler Sprache. „Diese Seite gibt es nicht mehr" versteht jeder. Eine dreistellige Zahl versteht niemand außerhalb der Branche.
Einen sichtbaren Weg zur Startseite.
Und dasselbe gilt für die Seite, die bei bewusst gelöschten Inhalten erscheint. Sie ist eine eigene Seite mit einer eigenen Aussage — nicht dieselbe wie die Fehlerseite, denn hier weißt du ja, was passiert ist, und kannst es sagen.
Ein Satz zur Ehrlichkeit
In der Quelle, aus der ein Teil dieses Artikels stammt, sagt der Autor über die technische Einrichtung dieser Meldung, dass er lange herumprobieren musste, bis sie funktionierte, und dass mehrere der naheliegenden Lösungswege nur Teillösungen sind.
Das deckt sich mit meiner Erfahrung, und ich schreibe es hin, weil es sonst niemand tut. Diese Sache ist nicht schwer zu verstehen, aber sie ist fummelig einzurichten — je nach System und Server auf unterschiedliche Weise. Wer eine Anleitung liest, die das in drei Zeilen erledigt, sollte danach nachmessen, ob wirklich das passiert, was da steht.
Wie du prüfst, was deine Seite antwortet
Du brauchst kein Werkzeug, wenn es nur um eine Adresse geht.
Öffne die Entwicklerwerkzeuge deines Browsers mit F12, wechsle auf „Netzwerk", und ruf die Adresse auf. In der ersten Zeile der Liste steht der Antwortcode. So siehst du, ob deine Seite tatsächlich das meldet, was sie melden soll.
Für eine ganze Website geht das nur mit einem Werkzeug, das alle Adressen abruft und die Antworten aufschreibt. Das ist derselbe Durchlauf, den man nach einem Umbau ohnehin machen sollte — und die Liste der alten Adressen, gegen die man ihn hält, ist ein eigenes Thema mit eigenem Artikel.
Die eine Prüfung, die sich immer lohnt: Ruf irgendeine Adresse auf, die es auf deiner Seite nicht gibt. Häng ein paar zufällige Zeichen an deine Domain. Was du dann siehst, sehen auch alle, die über einen kaputten Link kommen.
Die Entscheidung, die dahinter steckt
Der eigentliche Punkt an diesem Artikel ist nicht technisch.
Er ist, dass „weg" keine Entscheidung ist. Bei jedem Inhalt, der wegfällt, gibt es jemanden, der ihn noch aufruft — und die Frage lautet, was dieser Mensch stattdessen bekommen soll.
Vier mögliche Antworten, eine bewusste Wahl pro Adresse. Das ist alles. Es dauert bei einer normalen Website einen Nachmittag, und es ist der Unterschied zwischen einem Umbau, den niemand bemerkt, und einem, nach dem über Monate Besucher ins Leere laufen.
Quellen
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 3 — dass eine Fehlerseite im Relaunch wichtig ist und meist stiefmütterlich behandelt wird; dass solche Aufrufe durch fehlerhafte interne Links, durch Schreibfehler, durch Verweise von fremden Seiten und durch Adressen entstehen, die früher im Index waren; dass eine leere Fehlerseite den Besucher zurück zu den Suchergebnissen schickt, weil er weder erfährt, wo er gelandet ist, noch warum; dass eine brauchbare Fehlerseite die Navigation, eine Suche und einen Weg zur Startseite behält; dass eine Suchmaschine eine solche Adresse nicht sofort aus dem Index nimmt und Besucher deshalb weiterhin dort ankommen; dass für bewusst gelöschte Inhalte sowohl der zutreffende Antwortcode an die Crawler als auch eine eigene, lesbare Seite für den Menschen nötig ist; dass für ein ganzes Verzeichnis ein einziger Eintrag genügt statt einer Zeile je Adresse; und dass es den weiteren Fall gibt, Inhalte für Besucher verfügbar zu lassen und sie zugleich aus dem Index zu nehmen, etwa bei von Nutzern erstellten Inhalten.
- Udemy, Der perfekte Webseiten-Relaunch, Phase 2 — dass die Entscheidung je Adresse zwischen erreichbar bleiben, weiterleiten und löschen getroffen wird, und dass Bereiche mit kaum Besuchern, kaum Einblendungen und ohne eingehende Verweise die Seite unnötig aufblähen.
- Ausdrücklich aus der Quelle übernommen — die Aussage des Autors, dass die praktische Einrichtung der Löschmeldung erheblichen Aufwand gekostet hat und mehrere naheliegende Lösungswege nur Teillösungen sind.
- Eigene Praxis — die Einordnung der vier Antworten als bewusste Wahl je Adresse; der Hinweis, dass eine Weiterleitung auf die Startseite eine Sackgasse mit besseren Manieren ist; die Unterscheidung zwischen bewusst entfernten und versehentlich fehlenden Inhalten in der Auswertung nach dem Umbau; und die Prüfung über den Netzwerk-Reiter sowie über den Aufruf einer erfundenen Adresse.