Relaunch
Was vor einem Relaunch gesichert gehört
Welche Adressen, Daten und Zugänge du vor dem Umbau festhalten musst, weil sie sich danach nicht mehr erheben lassen.
8 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Vor einem Relaunch gehört gesichert, was die alte Website wert ist und was nach dem Umbau nicht mehr zu sehen sein wird: die vollständige Liste aller Adressen, die Such- und Besucherdaten, die eingehenden Links, die bestehenden Weiterleitungen, die Formulardaten und alle Zugänge. Aus der Adressliste entsteht der Weiterleitungsplan — und ohne ihn laufen alte Adressen, Lesezeichen und Links ins Leere. Das muss vor dem Umbau passieren, denn einen Teil dieser Daten kann man danach nicht mehr erheben: Die alten Seiten sind weg, und manche Auswertungen reichen nur begrenzt zurück. Alles andere an einem Relaunch lässt sich später verbessern, diese Bestandsaufnahme nicht.
Warum die Bestandsaufnahme nicht optional ist
Eine gewachsene Website hat Wert, den man nicht sieht:
- Seiten, die seit Jahren für bestimmte Suchbegriffe gefunden werden.
- Adressen, auf die andere Websites verlinken.
- Adressen, die in gedruckten Unterlagen, E-Mail-Signaturen und Verzeichnissen stehen.
- Weiterleitungen aus einem früheren Umbau, die noch Besucher tragen.
- Inhalte, die niemand mehr beachtet und die trotzdem Besucher bringen.
Wenn diese Dinge beim Umbau verlorengehen, merkt man es nicht am Tag der Umstellung. Google schreibt selbst, dass die Sichtbarkeit während eines Umzugs vorübergehend schwanken kann und das normal ist. Genau deshalb braucht es eine Vergleichsgrundlage von vorher — sonst lässt sich eine normale Schwankung nicht von einem echten Verlust unterscheiden.
Die acht Dinge, die vorher gesichert werden
1. Alle bestehenden Adressen
Das Fundament. Jede Adresse, die deine aktuelle Website hat, gehört in eine Liste — nicht nur die aus dem Menü, sondern auch alte Blogbeiträge, Kampagnenseiten, Anhangseiten und Dateien im Download-Bereich. Google nennt ausdrücklich auch eingebettete Inhalte: Bilder, Videos, JavaScript- und CSS-Dateien gehören in die Planung.
Google empfiehlt, die Liste aus vier Quellen zusammenzutragen:
- die Sitemaps, weil dort meist die wichtigsten Adressen stehen,
- die Server-Logs, für Adressen, die in letzter Zeit aufgerufen wurden,
- den Linkbericht der Search Console, für Seiten mit internen und externen Links,
- die Server-Logs oder die Webanalyse, für die Adressen mit den meisten Besuchern.
Bei gewachsenen Websites ist die Liste fast immer länger als geschätzt. Ohne sie gibt es keinen vollständigen Weiterleitungsplan.
2. Die aktuellen Suchdaten
Für welche Suchbegriffe wird die Website gefunden, mit welchen Seiten, mit wie vielen Klicks? Das steht im Leistungsbericht der Search Console. Zwei Grenzen solltest du kennen: Die Search Console hält die Leistungsdaten der letzten 16 Monate vor, und der Export aus der Oberfläche ist auf 1.000 Zeilen begrenzt. Für eine kleine Website reicht das oft, für eine große nicht — dann führt der Weg über die Schnittstelle der Search Console.
Ohne diesen Stand ist die Frage „Hat der Relaunch geschadet?" hinterher nicht beantwortbar.
3. Der Indexierungsstand
Was ist bei Google im Index, was nicht, und warum nicht? Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt das nach Gründen sortiert und lässt sich exportieren. Auch hier sind die Beispieltabellen auf 1.000 Zeilen begrenzt. Die Momentaufnahme von vorher lässt sich nach dem Umbau nicht mehr herstellen.
4. Die Besucherdaten
Besucherzahlen, meistbesuchte Seiten, Herkunft der Besucher, erreichte Ziele. Der wichtigste Teil ist die Liste der meistbesuchten Seiten. Sie zeigt, welche Inhalte tatsächlich gebraucht werden — und das weicht oft von der Einschätzung des Betreibers ab.
Eine praktische Warnung zu Google Analytics 4: Die Standardberichte behalten ihre Historie, aber für Explorationen hält GA4 die Daten standardmäßig nur 2 Monate vor, höchstens 14 Monate bei normalen Konten. Wer beim Relaunch auch das Analysewerkzeug wechselt, verliert im Zweifel den Zugang zu allem. Also: exportieren, mindestens zwölf Monate, als Datei.
5. Die eingehenden Links
Welche fremden Websites verlinken auf dich, und auf welche Adressen genau? Das ist der Wert, der sich am schwersten wiederherstellen lässt. Ein Link aus einem Verzeichnis, von einem Verband oder aus einem Zeitungsartikel wurde einmal gesetzt und wird nicht angepasst, wenn du deine Adressen änderst. Läuft die verlinkte Adresse nach dem Umbau ins Leere, ist der Link verloren.
Der Linkbericht der Search Console zeigt die am häufigsten verlinkten Seiten und die Websites, die am meisten verlinken. Google weist darauf hin, dass er nur eine Stichprobe ist; die Tabellen zeigen bis zu 1.000 Zeilen, der Export bis zu 100.000. Google empfiehlt außerdem, diese Liste aufzuheben und die wichtigsten verlinkenden Websites nach dem Umzug zu bitten, ihre Links anzupassen.
6. Die bestehenden Weiterleitungen
Der Punkt, den fast alle vergessen. Wurde die Website schon einmal umgebaut, gibt es Weiterleitungen von noch älteren Adressen — in einer Serverdatei wie der .htaccess oder in einem Weiterleitungs-Plugin. Sie tragen weiterhin Besucher und Links.
Beim neuen Plan werden sie nicht einfach verlängert. Google rät, Ketten zu vermeiden und direkt auf das endgültige Ziel weiterzuleiten: Aus „ganz alt → alt → neu" wird „ganz alt → neu" und „alt → neu". Die Weiterleitungen sollen so lange wie möglich bestehen bleiben, in der Regel mindestens ein Jahr.
7. Formulardaten und Anfragen
Wenn Formulareingänge in der WordPress-Datenbank liegen, sind sie beim Neuaufbau weg, falls niemand sie exportiert. Die meisten Formular-Plugins haben dafür einen Export. Bei einem Betrieb, der Anfragen über Jahre gesammelt hat, ist das ein echter Verlust — kläre bei der Gelegenheit gleich, was davon du behalten willst und was gelöscht gehört.
8. Alle Zugänge
Hosting, Domainverwaltung, WordPress, Plugin-Lizenzen, Search Console, Webanalyse, E-Mail. Das klingt banal und ist der Punkt, der Projekte am häufigsten aufhält. Besonders die Domainverwaltung: Sie liegt oft bei einem Anbieter, mit dem seit Jahren niemand gesprochen hat, und die Zugangsdaten hat jemand, der längst nicht mehr dabei ist.
Wenn auch der Hoster wechselt, rät Google, die TTL-Werte der DNS-Einträge mindestens eine Woche vorher zu senken, damit die Umstellung schnell greift. Dafür brauchst du den Zugang zur Domainverwaltung — nicht erst am Tag der Umschaltung.
Diese Suche gehört an den Anfang des Projekts.
Welche Inhalte mitumziehen
Nicht alles gehört mit. Sortiere nach drei Fragen:
- Bringt es Besucher? Die Webanalyse sagt es.
- Wird darauf verlinkt? Auch eine Seite ohne eigene Besucher kann Links tragen.
- Ist es noch richtig? Veraltete Preise, Ansprechpartner, die nicht mehr im Betrieb sind, Leistungen, die es nicht mehr gibt.
Daraus folgen vier Entscheidungen je Seite:
| Entscheidung | Was passiert mit der Adresse |
|---|---|
| Übernehmen | bleibt gleich oder wird auf die neue Adresse weitergeleitet |
| Überarbeiten | wird auf die neu geschriebene Seite weitergeleitet |
| Zusammenführen | die alten Adressen zeigen auf die eine neue Seite |
| Streichen | Weiterleitung nur, wenn es ein echtes Gegenstück gibt, sonst 404 oder 410 |
Streichen heißt nicht: alles auf die Startseite. Google schreibt, dass viele alte Adressen, die auf ein einziges unpassendes Ziel wie die Startseite zeigen, Nutzer verwirren und als „Soft 404" gewertet werden können. Inhalte, die nicht mitumziehen, sollen auf der neuen Seite ehrlich mit 404 oder 410 antworten. Wo es ein inhaltlich passendes Ziel gibt, leitest du dauerhaft weiter — Google empfiehlt serverseitige Weiterleitungen mit 301 oder 308.
Woran Relaunches in der Praxis hängenbleiben
Technik und Gestaltung sind planbar. Inhalte hängen an Menschen, die nebenbei ihren eigentlichen Beruf ausüben: der Text für die Leistungsseite, die Fotos aus der Werkstatt, die Angaben zu den Referenzen. Das sind Aufgaben, die niemandem zugewiesen sind und die immer warten können. Ein Projekt, das technisch fertig ist und nicht online geht, wartet meistens auf genau das.
Was hilft:
- Die Inhaltsplanung vor dem Design festlegen. Wird erst gestaltet und dann getextet, muss der Text in vorgegebene Kästen passen.
- Eine Materialliste mit Namen und Terminen. Nicht „der Kunde liefert die Texte", sondern die konkrete Person und das konkrete Datum.
- Vorhandenes zuerst durchgehen. Oft ist mehr da, als man denkt — es steht nur nicht auf der Website.
- Eine ehrliche Entscheidung über die Menge. Wenige gute Seiten sind besser als viele, die unverändert aus dem alten Bestand kopiert wurden.
Wie du den Ist-Zustand aufnimmst
- Adressliste: ein Crawling-Werkzeug, das die ganze Website durchgeht, plus Sitemap, Server-Logs und die meistbesuchten Seiten aus der Webanalyse. Die Webanalyse kennt oft Adressen, die in keiner Sitemap stehen.
- Suchdaten und Indexierung: in der Search Console den Leistungsbericht und den Bericht zur Seitenindexierung exportieren — als Datei, nicht als Bildschirmfoto.
- Besucherdaten: mindestens zwölf Monate aus der Webanalyse exportieren.
- Links: den Linkbericht der Search Console exportieren.
- Weiterleitungen: die Serverkonfiguration durchsehen und die Liste des Weiterleitungs-Plugins exportieren.
- Search Console selbst: Stell sicher, dass du Zugriff auf alle Varianten der alten Website hast — Google empfiehlt, alle Varianten der alten und der neuen Website zu bestätigen.
Und das Wichtigste: alles an einem Ort ablegen, mit Datum. Nicht verteilt auf fünf Download-Ordner.
Was zu tun ist
- Fang mit den Zugängen an. Sie dauern am längsten und blockieren alles andere.
- Zieh die Adressliste, bevor irgendetwas geändert wird — inklusive Bilder und PDFs.
- Exportier Suchdaten, Indexierung, Besucherzahlen und Links — alles als Datei, mit Datum.
- Sicher die Formulardaten.
- Dokumentier die bestehenden Weiterleitungen und plane sie ohne Ketten neu.
- Entscheide je Seite: übernehmen, überarbeiten, zusammenführen oder streichen — und leg für jede Adresse fest, ob sie weiterleitet oder mit 404 oder 410 antwortet.
- Leg die Materialliste an, mit Namen und Terminen.
Erst danach fängt der Bau an. Diese Vorbereitung ist die einzige Arbeit im ganzen Projekt, die sich später nicht nachholen lässt. Alles andere kann man verbessern, ergänzen, korrigieren. Was vor dem Umbau nicht aufgeschrieben wurde, ist danach nicht mehr da.
Quellen
- Google Search Central, Site moves with URL changes — Quellen für die Adressliste, eingebettete Dateien, 301 und 308, keine Ketten, Weiterleitungen mindestens ein Jahr, 404 oder 410 statt Weiterleitung auf die Startseite, Soft 404, verlinkende Websites anschreiben, alle Varianten bestätigen, vorübergehende Schwankungen: developers.google.com
- Google Search Central, Site moves without URL changes — TTL mindestens eine Woche vorher senken, Formulare und Downloads prüfen: developers.google.com
- Google Search Central Blog, A deep dive into Search Console performance data filtering and limits — 16 Monate Leistungsdaten: developers.google.com
- Search Console-Hilfe, Export data directly from a Search Console report — Export auf 1.000 Zeilen begrenzt, Formate: support.google.com
- Search Console-Hilfe, Leistungsbericht — Klicks und Impressionen, Export: support.google.com
- Search Console-Hilfe, Bericht zur Seitenindexierung — indexierte und nicht indexierte Seiten mit Gründen, Beispieltabellen bis 1.000 Zeilen: support.google.com
- Search Console-Hilfe, Linkbericht — Stichprobe, Tabellen bis 1.000 Zeilen, Export bis 100.000 Zeilen: support.google.com
- Google Analytics-Hilfe, Datenaufbewahrung — 2 Monate Standard, 14 Monate möglich, betrifft nur Explorationen und Trichterberichte: support.google.com