SEO
Interne Verlinkung: die Struktur, die niemand plant
Über externe Links wird viel geredet — wer verlinkt auf mich, wie bekomme ich mehr davon.
8 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Über externe Links wird viel geredet — wer verlinkt auf mich, wie bekomme ich mehr davon. Über interne Links redet fast niemand. Dabei sind sie der einzige Teil deiner Verlinkung, den du vollständig selbst kontrollierst.
Sie entscheiden darüber, welche deiner Seiten überhaupt gefunden werden, wie schnell, und welche davon als wichtig gelten.
Was interne Links leisten
Drei Dinge gleichzeitig:
Sie verteilen Gewicht. Was eine Seite an Stärke aufgebaut hat, gibt sie über ihre Links weiter. Eine Seite, auf die intern nichts zeigt, bekommt nichts ab — egal wie gut sie ist.
Sie führen die Suchmaschine. Eine Seite, die von keiner anderen verlinkt ist, wird schwer gefunden. Sie kann in der Sitemap stehen und trotzdem selten abgerufen werden.
Sie führen den Besucher. Das ist der Teil, der am direktesten auf Anfragen wirkt und beim Optimieren am häufigsten vergessen wird.
Die Drei-Klick-Regel
Die Kernaussage zur Struktur: Wichtige Inhalte sollen von der Startseite aus in höchstens drei Klicks erreichbar sein.
Was passiert, wenn sie tiefer liegen: Sie werden seltener abgerufen und dadurch langsamer aktualisiert. Und für Besucher sind sie praktisch nicht vorhanden — niemand klickt sich durch fünf Ebenen.
Zu flach ist aber auch falsch. Wenn alles auf einer Ebene liegt, gibt es keine Hierarchie, und Suchmaschinen können die Beziehungen zwischen den Inhalten nicht erkennen. Es ist dann nicht ersichtlich, welche Seite das Hauptthema trägt und welche ein Detail ausführt.
Der richtige Aufbau liegt dazwischen: eine klare Gliederung mit wenigen Ebenen.
Themenbereiche statt Sammelsurium
Der Ordnungsbegriff dafür ist die Gruppierung nach Themen: Inhalte, die zusammengehören, werden zu einem Bereich zusammengefasst und stützen sich gegenseitig.
Bei einer Website wie meiner heißt das: Alles zur Ladezeit gehört zusammen. Alles zur Barrierefreiheit gehört zusammen. Alles zum Relaunch gehört zusammen.
Was das bewirkt:
- Suchmaschinen erkennen, worauf die Website thematisch ausgerichtet ist.
- Seiten innerhalb eines Bereichs verstärken sich gegenseitig.
- Der Besucher, der ein Thema verfolgt, findet die Fortsetzung.
In WordPress konkret:
- Kategorien als Themenbereiche — jede Kategorie ist ein abgegrenztes Thema.
- Eine Kategorie pro Beitrag. Nicht drei. Ein Beitrag in fünf Kategorien gehört zu keiner richtig.
- Schlagwörter verbinden über Kategoriegrenzen hinweg — sie sind kein zweites Kategoriesystem.
- Kategorieseiten mit eigenem Text versehen, nicht nur als automatische Liste stehen lassen.
Der Fehler, den ich am häufigsten sehe: dutzende Schlagwörter, jedes mit einem oder zwei Beiträgen, die als eigene Seiten existieren und nichts enthalten außer ein oder zwei Vorschautexten. Das erzeugt viele dünne Seiten und ordnet nichts.
(Atlas, seo/site-architecture.md)
Wie viele Links, und wo
Als Richtwert: etwa zehn interne Links auf eine wichtige Seite. Das ist keine Zauberzahl, sondern eine Größenordnung — eine Seite mit einem eingehenden Link ist unterversorgt, eine mit hundert erkauft sich nichts.
Wichtiger als die Anzahl ist die Herkunft:
Die Links müssen von passenden Seiten kommen. Ein Link von einer thematisch verwandten Seite trägt. Ein Link aus einem beliebigen Zusammenhang trägt nicht.
Natürlich im Text platziert. Ein Link mitten im Fließtext, an der Stelle, an der ein Leser tatsächlich weiterlesen würde, ist mehr wert als ein Block „Das könnte Sie auch interessieren" am Seitenende.
Der erste Link zählt
Ein Detail, das kaum bekannt ist und die Praxis verändert:
Wenn eine Seite mehrmals auf dasselbe Ziel verlinkt, wird nur der erste Link bewertet. Alle weiteren zählen nicht — und vor allem: Nur der Linktext des ersten Links wird ausgewertet.
Was daraus folgt:
- Der wichtigste Link auf ein Ziel und sein aussagekräftigster Linktext gehören früh in den Inhalt.
- Wenn ein Navigationslink oben auf der Seite schon auf dasselbe Ziel zeigt, ist der spätere Link im Text bereits der zweite — und sein Text wird nicht mehr bewertet.
Das ist ein Grund mehr, in der Navigation aussagekräftige Bezeichnungen zu verwenden. Sie sind auf jeder Seite der erste Link auf ihr Ziel.
Linktexte variieren
Bei mehreren Links auf dieselbe Seite von verschiedenen Seiten aus: Verwende unterschiedliche Formulierungen.
Immer derselbe Linktext auf jedem Link wirkt gemacht. Und der Linktext ist ein Signal dafür, worum es auf der Zielseite geht — verschiedene Formulierungen decken verschiedene Suchformulierungen ab.
Beispiel für dieselbe Zielseite: „Ladezeit verstehen", „warum deine Seite langsam lädt", „was die Core Web Vitals messen".
Das gilt allerdings nur für Links aus dem Fließtext verschiedener Seiten. In der Navigation gilt das Gegenteil: Dort muss dieselbe Seite überall gleich heißen.
(Atlas, seo/site-architecture.md)
Die Qualitätsregeln
Immer auf die kanonische Adresse verlinken. Nicht auf eine Variante, nicht auf eine, die weiterleitet.
Die Zahl dazu ist ernüchternd: In Auswertungen verlinken 57 Prozent der untersuchten Websites intern auf nicht-kanonische Adressen. Das ist einer der häufigsten Fehler überhaupt — und einer der unnötigsten, weil er beim Setzen des Links entsteht und danach für immer bleibt.
Typische Ursachen: Die Adresse wurde mit oder ohne Schrägstrich am Ende kopiert. Die Seite ist seither umgezogen. Der Link wurde aus einer alten Fassung übernommen.
Defekte interne Links sofort beheben. Sie kosten Abrufbudget und führen Besucher in die Leere.
Weiterleitungsketten vermeiden. Jeder Sprung verliert. Verlink direkt auf das Endziel.
Bilder als Links tragen ihren Alternativtext als Linktext. Das heißt: Wenn ein Bild ein Link ist, muss sein Alternativtext beschreiben, wohin der Link führt — nicht, was auf dem Bild zu sehen ist. Das ist derselbe Punkt, der auch für die Barrierefreiheit gilt: eine Änderung, zwei Wirkungen.
Verwaiste Seiten
Eine Seite ohne eingehende interne Links ist verwaist. Sie kann in der Sitemap stehen, sie kann online sein, sie kann gut geschrieben sein — sie wird trotzdem kaum gefunden.
Wie sie entstehen:
- Eine alte Kampagnenseite, deren Verlinkung entfernt wurde.
- Ein Blogbeitrag, den nur die Archivseite listet — und die Archivseite steht auf
noindex. - Eine Seite, die nach einem Menüumbau herausgefallen ist.
- Eine Seite, die nur über die interne Suche erreichbar ist.
Die Entscheidung ist immer dieselbe: Soll die Seite gefunden werden? Dann verlink sie von einer passenden Seite aus. Wenn nicht, gehört sie weg — oder mindestens aus der Sitemap.
Wie du das selbst prüfst
Der Drei-Klick-Test. Nimm deine fünf wichtigsten Seiten. Fang bei der Startseite an und zähl die Klicks. Mehr als drei ist ein Fund.
Der Verwaisten-Test von Hand. Nimm eine wichtige Unterseite und frag: Von welchen anderen Seiten wird sie verlinkt? Wenn dir keine einfällt, ist das die Antwort.
Die Search Console, Bericht zu internen Links. Sie zeigt, welche Seiten wie viele interne Links haben — sortiert. Ganz unten stehen deine unterversorgten Seiten. Das ist der schnellste Überblick, den du ohne Zusatzwerkzeug bekommst.
Der Linktext-Durchgang. Geh durch eine Seite und lies nur die Linktexte. Sagen sie, wohin sie führen?
Die Kategorie-Zählung. Schau, wie viele Kategorien und Schlagwörter du hast und wie viele Beiträge jeweils darin liegen. Kategorien mit einem Beitrag und Schlagwörter mit zwei sind kein Ordnungssystem.
Für den vollständigen Überblick braucht es ein Crawling-Werkzeug, das ausgibt, welche Seite von welcher verlinkt wird und mit welchem Linktext.
Was zu tun ist
1. Prüf die Klicktiefe deiner wichtigsten Seiten. Wenn eine Leistungsseite vier Klicks entfernt ist, gehört sie ins Menü oder auf die Startseite.
2. Räum das Kategoriesystem auf. Ein Beitrag, eine Kategorie. Schlagwörter nur, wo sie tatsächlich verbinden.
3. Verlink neue Inhalte von bestehenden aus. Das ist der Schritt, der beim Veröffentlichen fast immer vergessen wird: Ein neuer Beitrag entsteht, und niemand geht die drei älteren Beiträge durch, die darauf verweisen sollten. Das gehört in die Veröffentlichungsroutine.
4. Korrigier Links auf weiterleitende Adressen.
5. Setz Links im Text, nicht nur in Kästen am Ende.
6. Und nimm den internen Link-Durchgang in die regelmäßige Prüfung auf. Mit wachsendem Inhalt verändert sich die Struktur, und was vor zwei Jahren gut verlinkt war, hängt heute in der Luft.
Was ich Kunden dazu sage: Interne Verlinkung ist der Bereich mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, weil er weder von Google noch von Dritten abhängt. Du entscheidest allein, welche deiner Seiten Gewicht bekommen. Es macht nur niemand.
Quellen
- Atlas,
seo/site-architecture.md— die Gruppierung nach Themenbereichen mit dem Beispiel einer Agentur-Website und der gegenseitigen Verstärkung von Seiten innerhalb eines Bereichs, die Strukturregel weder zu flach noch zu tief mit der Drei-Klick-Regel und der Folge selteneren Abrufens bei größerer Tiefe, die WordPress-Umsetzung (Kategorien als Bereiche, eine Kategorie pro Beitrag, Schlagwörter als Querverbindung statt zweitem Kategoriesystem, Kategorieseiten mit eigenem Inhalt), die drei Zwecke interner Verlinkung, der Richtwert von etwa zehn internen Links auf eine wichtige Seite und die Anforderung an Herkunft und natürliche Platzierung, die Priorität des ersten Links mit der Auswertung nur des ersten Linktextes und der Folge für Navigationslinks, die Variation der Linktexte mit Beispielen, die Qualitätsregeln (immer auf kanonische Adressen verlinken, 57 Prozent der Websites verlinken intern auf nicht-kanonische Adressen, defekte interne Links sofort beheben, Weiterleitungsketten vermeiden), Bilder als interne Links mit dem Alternativtext als Signal für das Linkziel und dem Doppelnutzen für die Barrierefreiheit, sowie die Empfehlung regelmäßiger Link-Audits mit dem Hinweis, neue Inhalte von bestehenden aus zu verlinken. - Udemy, Technischer SEO-Audit mit Screaming Frog (Mai 2025), Abschnitt 3 — verwaiste Adressen als eigener Prüfpunkt, mit der Entscheidungsregel, sie entweder intern zu verlinken oder aus der Sitemap zu nehmen, sowie die Korrektur interner Links, die auf weiterleitende Adressen zeigen.
- Eigene Prüfpraxis — die Entstehungswege verwaister Seiten, der Drei-Klick-Test und der Verwaisten-Test von Hand, der Bericht zu internen Links in der Search Console als schnellster Überblick ohne Zusatzwerkzeug, die Kategorie- und Schlagwortzählung als Hinweis auf ein nicht tragendes Ordnungssystem, und der Hinweis, dass die Verlinkung neuer Inhalte aus bestehenden in die Veröffentlichungsroutine gehört.