SEO
Sichtbarkeit vor Ort: das Unternehmensprofil bei Google
Für einen Betrieb, der Kunden aus der Umgebung bedient — Handwerk, Gastronomie, Praxis, Kanzlei, Werkstatt, Laden — gibt es einen Kanal, der oft mehr bringt als die eigene Website: das Unternehmensprofil bei Google.
9 Min. Lesezeit
Von Timo Wessels Veröffentlicht am
Für einen Betrieb, der Kunden aus der Umgebung bedient — Handwerk, Gastronomie, Praxis, Kanzlei, Werkstatt, Laden — gibt es einen Kanal, der oft mehr bringt als die eigene Website: das Unternehmensprofil bei Google.
Es ist der Kasten, der bei einer Suche nach „Fensterbauer Hamburg" rechts erscheint oder in der Kartenansicht auftaucht. Mit Öffnungszeiten, Telefonnummer, Bewertungen, Fotos und einer Route.
Und für viele Suchvorgänge ist es die einzige Berührung mit deinem Betrieb. Der Kunde ruft an, ohne je auf deiner Website gewesen zu sein.
Warum das eine eigene Baustelle ist
Weil es nach anderen Regeln funktioniert als die klassische Auffindbarkeit.
Bei einer örtlichen Suche entscheidet Google nach drei Dingen: Nähe, Relevanz und Bekanntheit. Die Nähe kannst du nicht beeinflussen. Die anderen beiden schon.
Und der Unterschied zur Website ist: Das Profil ist schneller wirksam. Eine Website braucht Monate, um Positionen aufzubauen. Ein vollständig gepflegtes Profil mit guten Bewertungen wirkt in Wochen.
Für einen kleinen Betrieb mit begrenztem Budget ist das oft der richtige erste Schritt — vor jeder Suchmaschinenoptimierung an der Website.
Der erste Schritt: das Profil beanspruchen
Dein Betrieb ist wahrscheinlich schon eingetragen, auch wenn du nie etwas getan hast. Google legt Einträge aus verschiedenen Quellen automatisch an.
Das bedeutet: Es kann bereits ein Profil mit falschen Öffnungszeiten, einer alten Adresse oder einer veralteten Telefonnummer geben — und Kunden richten sich danach.
Der Ablauf:
- Nach deinem Betrieb suchen und prüfen, ob es einen Eintrag gibt.
- Die Inhaberschaft beanspruchen.
- Die Bestätigung durchlaufen — je nach Fall per Telefon, E-Mail oder Postkarte an die Betriebsadresse.
Nach der Bestätigung kannst du alle Angaben selbst pflegen.
Ein Sonderfall, den man kennen sollte: Wenn jemand anderes das Profil beansprucht hat — ein früherer Dienstleister, ein ehemaliger Mitarbeiter —, gibt es dafür ein Verfahren zur Rückübertragung. Das dauert, ist aber möglich.
Was ins Profil gehört
Der Name — exakt so, wie der Betrieb heißt. Einschließlich Rechtsform. Keine Abkürzungen, die nicht offiziell sind.
Und ausdrücklich keine Suchbegriffe im Namen. „Musterbetrieb GmbH — Ihr Fensterbauer in Hamburg" ist nicht der Firmenname. Solche Einträge werden korrigiert oder gesperrt, und der Schaden ist größer als der kurzfristige Nutzen.
Die Kategorie. Der wichtigste Einzelwert im Profil. Eine Hauptkategorie, die genau beschreibt, was der Betrieb tut, dazu passende Nebenkategorien.
Das ist der Punkt, an dem viele Profile verschenken: Die Hauptkategorie ist zu allgemein gewählt. „Bauunternehmen" statt „Fensterbauer". Google ordnet daraufhin bei der spezifischen Suche jemand anderen zu.
Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten — vollständig und aktuell. Einschließlich der besonderen Öffnungszeiten an Feiertagen. Ein Betrieb, dessen Profil an Karfreitag „geöffnet" anzeigt, verärgert Kunden, die vor verschlossener Tür stehen — und das landet in einer Bewertung.
Leistungen und Produkte. Sie lassen sich einzeln eintragen und tauchen im Profil auf.
Fotos. Der am meisten unterschätzte Teil. Innen, außen, Team, Arbeitsergebnisse. Echte Fotos, keine Bildagenturware — man sieht den Unterschied, und der Unterschied ist Vertrauen.
Und die Website-Verlinkung — auf die passende Seite, nicht immer auf die Startseite.
(Udemy, Google My Business, Abschnitte 1 und 2)
NAP: die drei Angaben, die überall gleich sein müssen
Name, Adresse, Telefonnummer. Im Fachjargon NAP, und die Regel dazu ist einfach:
Diese drei Angaben müssen überall identisch sein. Auf der Website, im Unternehmensprofil, in jedem Branchenverzeichnis, auf jeder Plattform.
Identisch heißt: bis zur Schreibweise. Nicht einmal „Straße" und einmal „Str.". Nicht einmal mit und einmal ohne Vorwahl in internationaler Schreibweise.
Warum das zählt: Google gleicht diese Angaben über verschiedene Quellen ab, um zu bestätigen, dass es den Betrieb gibt und dass die Daten stimmen. Widersprüchliche Angaben schwächen dieses Signal.
Und der praktisch häufigste Fall: Ein Betrieb ist umgezogen oder hat die Nummer gewechselt. Die Website ist aktualisiert. Die vierzehn Verzeichniseinträge aus den letzten zehn Jahren nicht.
Was zu tun ist: Einmal alle Stellen zusammensuchen, an denen die Daten stehen, und eine Liste führen. Beim nächsten Wechsel ist diese Liste die Arbeitsgrundlage.
Verzeichniseinträge — im Fachjargon Citations — sind dabei ein eigener Hebel. Wenige gute, relevante Verzeichnisse sind besser als viele beliebige. Und Doppeleinträge gehören zusammengeführt oder gelöscht.
Bewertungen
Der zweite große Hebel, und der, der Betriebe am meisten beschäftigt.
Bewertungen wirken doppelt: als Signal für die Platzierung im örtlichen Ergebnis, und als Vertrauenssignal für den Menschen, der zwischen drei Betrieben wählt.
Bewertungen bekommen
Der einzige zuverlässige Weg ist, zu fragen. Die meisten zufriedenen Kunden bewerten nicht, weil sie nicht daran denken. Die unzufriedenen denken von selbst daran.
Wann man fragt: kurz nach dem Abschluss, solange der Eindruck frisch ist.
Wie man fragt: persönlich oder per Mail, mit einem direkten Link zur Bewertungsseite. Ein Link, den man kopieren muss, kostet die Hälfte der Antworten.
Und der Trick, der den größten Unterschied macht: Gib Anhaltspunkte, worüber man schreiben könnte. Viele Leute wollen bewerten und wissen nicht, was sie schreiben sollen.
Fragen, die sich dafür bewährt haben:
- Was war die Ausgangslage, wofür haben Sie eine Lösung gesucht?
- Welche Leistung haben Sie in Anspruch genommen, und was hat Ihnen am besten gefallen?
- Wie war die Zusammenarbeit?
- Was unterscheidet uns aus Ihrer Sicht von anderen?
- Was würden Sie einem Bekannten über uns erzählen?
- Gibt es etwas, das wir besser machen könnten?
Die letzte Frage ist wichtig: Sie zeigt, dass man tatsächlich Rückmeldung will, und sie erzeugt oft die nützlichsten Antworten — auch wenn sie nicht öffentlich werden.
Was nicht geht: Bewertungen kaufen, gegen Gegenleistung erbitten oder nur zufriedene Kunden gezielt anschreiben. Abgesehen von der rechtlichen Seite fällt es auf: Zwanzig Fünf-Sterne-Bewertungen ohne Text innerhalb einer Woche sieht jeder.
Bewertungen beantworten
Alle. Auch die guten.
Eine Antwort auf eine gute Bewertung dauert zwanzig Sekunden und zeigt jedem späteren Leser, dass hier jemand zuhört.
Bei negativen Bewertungen ist die Antwort wichtiger als die Bewertung selbst. Denn gelesen wird sie nicht vom verärgerten Kunden, sondern vom nächsten Interessenten — und der bewertet, wie du mit Kritik umgehst.
Was funktioniert:
- Sachlich bleiben. Immer.
- Nicht rechtfertigen, sondern verstehen. „Das tut mir leid, so soll es nicht laufen."
- Ins Persönliche wechseln. „Rufen Sie mich an, ich kläre das."
- Kurz. Eine lange Rechtfertigung liest sich wie eine Ausrede, auch wenn sie berechtigt ist.
- Und keine Details des Auftrags öffentlich ausbreiten. Das ist bei Ärzten und Beratern auch eine Frage der Verschwiegenheit.
Eine ehrliche Einordnung: Ein Profil mit ausschließlich Fünf-Sterne-Bewertungen wirkt weniger glaubwürdig als eines mit einem Schnitt von 4,6 und zwei kritischen Stimmen, auf die vernünftig geantwortet wurde. Vollkommenheit ist verdächtig.
(Udemy, Google My Business, Abschnitt 4)
Beiträge im Profil
Im Profil lassen sich kurze Beiträge veröffentlichen — Angebote, Veranstaltungen, Neuigkeiten. Sie erscheinen im Profil und verfallen nach einer Weile.
Der realistische Nutzen: Sie zeigen, dass der Betrieb aktiv ist. Sie sind kein großer Hebel, aber sie kosten wenig.
Was sich lohnt: saisonale Hinweise, Betriebsferien, ein neues Angebot, ein abgeschlossenes Projekt mit Foto.
Was sich nicht lohnt: wöchentlich etwas zu veröffentlichen, nur um etwas zu veröffentlichen.
Was die Website dazu beitragen muss
Das Profil steht nicht allein. Vier Dinge auf der Website zahlen darauf ein:
Örtliche Begriffe in Titeln, Beschreibungen und Inhalten. Nicht aufgepfropft — sondern dort, wo sie natürlich stehen. Wer in Hamburg-Altona arbeitet, darf das schreiben.
Strukturierte Daten für Betriebs- und Kontaktangaben. Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten maschinenlesbar ausgezeichnet. Das ist derselbe Datensatz wie im Profil, nur auf der eigenen Website.
Mobile Nutzbarkeit und kurze Ladezeit. Örtliche Suchen finden überwiegend auf dem Telefon statt, oft unterwegs. Eine Seite, die dabei sechs Sekunden lädt, verliert den Anruf.
Örtliche Inhalte. Ein Beitrag über ein Projekt in einem bestimmten Stadtteil, eine Seite zu einem Einzugsgebiet, ein Hinweis auf eine örtliche Veranstaltung, bei der man beteiligt war.
Und Verweise aus der Umgebung: von der Kammer, vom Innungsverband, vom örtlichen Verein, den man sponsert, von der Zeitung, die berichtet hat. Solche Verweise sind für die örtliche Sichtbarkeit mehr wert als beliebige Verweise von anderswo.
(Udemy, Google My Business, Abschnitt 5; Atlas, seo/practice-2026.md)
Was du messen kannst
Das Profil liefert eine eigene Auswertung, und sie beantwortet Fragen, die keine Website-Auswertung beantwortet:
Wie wurde gesucht? Direkt nach dem Firmennamen, allgemein nach der Leistung, oder über eine Marke. Der Anteil der allgemeinen Suchen zeigt, ob du für Leute sichtbar bist, die dich noch nicht kennen.
Wie oft wurde das Profil angesehen?
Was haben die Leute getan? Angerufen, die Website aufgerufen, die Route abgefragt. Das ist der interessanteste Teil, weil es tatsächliche Handlungen sind.
Der Anrufzähler ist besonders aufschlussreich für Betriebe, die glauben, ihre Website bringe nichts. Häufig bringt sie tatsächlich wenig — das Profil daneben aber sehr viel, und niemand hat je hingeschaut.
Was zu tun ist
1. Prüf, ob es ein Profil gibt und ob die Angaben stimmen. Das ist der Schritt, der am häufigsten Überraschungen liefert.
2. Beanspruche es und lass es bestätigen.
3. Füll es vollständig aus. Vollständigkeit ist der Hebel — Kategorie, Leistungen, Öffnungszeiten einschließlich Feiertagen, Fotos.
4. Wähl die Hauptkategorie so genau wie möglich.
5. Bring NAP überall auf denselben Stand und führ die Liste der Stellen.
6. Fang an, systematisch nach Bewertungen zu fragen. Mit Link und mit Anhaltspunkten.
7. Beantworte alle Bewertungen.
8. Schau einmal im Quartal in die Auswertung.
Was ich Kunden dazu sage: Wenn dein Geschäft von Leuten aus der Umgebung lebt, ist das Profil der Kanal mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung — deutlich vor allem, was man an der Website tun kann. Es kostet einen Nachmittag zum Einrichten und danach zehn Minuten im Monat.
Quellen
- Udemy, Google My Business — mehr Besucher, mehr Kunden, mehr Umsatz — die Prüfung auf einen bestehenden Eintrag und das Beanspruchen der Inhaberschaft über die Bestätigung per Telefon, E-Mail oder Postkarte; die eigenständige Pflege der Angaben nach der Bestätigung; die Anforderung, den offiziellen Firmennamen einschließlich Rechtsform und ohne nicht offizielle Abkürzungen zu verwenden; die klare Strukturierung von Haupt- und Nebenkategorien; die Einbindung örtlicher Begriffe in Titel, Beschreibungen und Inhalte; die durchgängige Konsistenz von Name, Adresse und Telefonnummer über Profil, Website und Verzeichnisse; die Nutzung örtlicher Web- und Branchenverzeichnisse mit dem Vorrang hochwertiger und relevanter Verzeichnisse und dem Vermeiden von Doppeleinträgen; der Aufbau örtlicher Verweise; mobile Optimierung und kurze Ladezeit als Voraussetzung; strukturierte Daten für Betriebs- und Kontaktangaben; örtliche Inhalte zu regionalen Themen und Veranstaltungen; Bewertungen als Signal für Platzierung und Vertrauen mit dem Hinweis auf die Wirkung auf die Klickrate; der professionelle Umgang mit negativen Bewertungen als Verbesserungsgelegenheit; die Formulierung von Bewertungsanfragen per E-Mail mit Themenvorschlägen und einem Link zur Bewertungsseite einschließlich der sechs Leitfragen; das Erstellen von Beiträgen für Veranstaltungen, Angebote und Produkte; und die Auswertung der Profilstatistik nach Suchanfragen (direkt, indirekt, Marke), Profilaufrufen und Nutzerhandlungen (Anrufe, Websitebesuche, Routenabfragen) über wählbare Zeiträume.
- Atlas,
seo/practice-2026.md— die Konsistenz von Name, Adresse und Telefonnummer als eigener Prüfpunkt. - Eigene Prüfpraxis — die Einordnung von Nähe, Relevanz und Bekanntheit als Faktoren der örtlichen Sichtbarkeit, die Beobachtung, dass ein Profil schneller wirkt als Arbeit an der Website, die Warnung vor Suchbegriffen im Firmennamen, die zu allgemein gewählte Hauptkategorie als häufigster Fehler, besondere Öffnungszeiten an Feiertagen, echte Fotos gegenüber Bildagenturmaterial, die Verlinkung auf die passende statt auf die Startseite, die Schreibweisen-Genauigkeit bei NAP und der typische Fall veralteter Verzeichniseinträge nach einem Umzug, die Empfehlung, alle Bewertungen zu beantworten und dabei kurz und sachlich zu bleiben, die Einordnung eines makellosen Bewertungsprofils als weniger glaubwürdig, der realistische Nutzen von Profilbeiträgen, und der Hinweis auf den Anrufzähler bei Betrieben, die ihre Website für wirkungslos halten.